Momentaufnahme: Kindheitserinnerung
16. September 2009 von Donna
Wir schnitten unser Weißbrot in Scheiben, die so dick waren wie die Stufen unserer Haustür. Unsere Mutter toastete es, und wir schmierten mit den stumpfen Messern, die man uns benutzen ließ, Butter darauf, die der Toast - so schien es - völlig verschluckte. dann saßen wir auf der Stufe vor unserem Haus, mampften und starrten auf das Rot der Kirschen, das Violett der Pflaumen, die Blüten der Zitronen, das Himmelblau und das Sahneweiß der Wolken.
Kindheitserinnerung von Tessa Kiros aus ihrem Kochbuch “Familienrezepte”
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann fällt mir spontan die Ananascreme meiner Mutter ein. Wenn es die gab, dann war ein besonderer Sonntag oder ein Feiertag. Natürlich handelte es sich um Dosenananas - die frischen Früchte gab es erst viel später auf unserem Speiseplan. Während sich einige Familienmitglieder auf die Fruchtstückchen konzentrierten und versuchten Cremeportionen mit möglichst vielen zu ergattern, war mir die Creme das Wichtigste. Manchmal bereite ich sie heute auch noch zu - ein bisschen abgewandelt und erwachsener mit Wein.
Ja, so hat wohl jeder seine kindlichen Verknüpfungen zu besonderen Speisen und zu den Familienrezepten.
8 Reaktionen zu “Momentaufnahme: Kindheitserinnerung”

Ach, diese wunderbaren sinnlichen Eindrücke, die von der Kindheit noch übrig blieben.
Bei uns waren es im heissen Oel knusprig gebackene, hauchdünne, dreieckige Fastnachtsküchlein, die in einer Wäschezaine lagenweise auf weisse Geschirrtücher geschichtet wurden und uns für längere Zeit die Tage versüssten…
Einen feinen Tag wünsche ich dir, Donna!
Brigitte
Wie malerisch. Man sieht die Kinder direkt sitzen mit roten Bäckchen und schmierigen Fingerchen.
Ich verlangte immer nach einem “trockenen Butterbrot”. Das bedeutete nach meiner Vorstellung ein Brot mit Butter ohne alles andere. Keine Wurst, kein Käse. Meine Eltern amüsierten sich und erklärten mir wieder und wieder, dass ein Brot, wenn erst mal Butter drauf war, einfach nicht mehr trocken sein konnte.
Egal, es war ein trockenes Butterbrot.
Kartoffelpuffer … Griebenschmalz … arme Ritter … etc. etc. …
Vielleicht magst du an Elke Zedlitz’ Projekt “Damals & Heute mitmachen. Mir hat das im letzten Jahr viel Spaß gemacht. ElkeZ sucht noch Teilnehmer. http://elke-zedlitz.com/blog/2009/09/16/damals-heute
Lieben Gruß
ElkeH
@Chinomso
es ist erstaunlich, wie beharrlich Kinder an eigenen Formulierungen festhalten - ein “trockenes Butterbrot” - sehr eigenwillig aber nett!
@Sunny
Ja, Kartoffelpuffer - lecker!
Und Muttis Linsensuppe ohne Fleischeinlage - da hat sie damals schon immer Rücksicht auf mich genommen.
Vielleicht haben andere auch noch Kindheitserinnerungen, die sie beitragen wollen….
LG - Donna
Ja, Kartoffelpuffer. Mit Apfelmus.
Pfälzer Kartoffelsuppe mit Apfel- oder Pflaumenkuchen, süß-sauer.
Tomatenbrötchen: Weißbrot gebuttert, Tomatenscheiben, kurz in Ofen, dann ein Spiegelei drauf. Hmmmmmmmm …
Und das ultimative Kindheitsleckerli: Halva!
Ohne Halva (eine Art türkischen Honig, doch das begriff ich erst viel später) war Weihnachten nicht Weihnachten - eine baltische Sitte.
Irgendwann gab es das dann nicht mehr zu kaufen. Meine Mutter war am Verzweifeln und sie suchte und suchte. Vergebens. Erst vor einigen Jahren fand ich es wieder, in türkischen Läden.
Hmmm … Das ist eine süße Pampe, die so was von lecker schmeckt, dass man mit Essen erst aufhört, wenn man sich vom Magen her schon längst nicht mehr wohl fühlt.
DAS ist Kindheit.
LG
Elana
Schöne Idee mit dem “Damals & Heute”. Das scheint mir spannend zu werden. Vielen Dank für den Hinweis.
@Elana
Leckere Erinnerungen…
@Elke Mainzauber
Danke für den Hinweis! Da werde ich gleich mal schauen!!!
LG - Donna