Momentaufnahme: ZerBrechlichkeit
9. September 2009 von Donna
Sie steht vor mir an der Kasse um die Mittagszeit. Sie wirkt so zerbrechlich, so unsicher auf den spindeldürren Beinen. Die große Sonnenbrille verdeckt fast das ganze hagere Gesicht. In der einen Hand hält sie ein kleines Schälchen Obstsalat, in der anderen vier Päckchen Marlboro light. Immer wieder schüttelt sie ihr langes, gelocktes Haar. Dann legt sie die Ware auf das Band, holt ihr Portemonnaie aus der Tasche. Ungeduldig fingert sie an dem Verschluss.
Sie ist die Frau eines stadtbekannten Arztes. Und ich denke: ‘Mein Gott, kann er ihr denn gar nicht helfen?’
7 Reaktionen zu “Momentaufnahme: ZerBrechlichkeit”

Wie viel du in wenigen Worten über einen Menschen sagen kannst, Donna! Die kleine Schilderung erschreckt und berührt zugleich.
Sei lieb gegrüsst.
Brigitte
Doch im eigenen Land zählt der Prophet oft nichts!
Vielleicht hat er es versucht?!
Einen schönen Tag dir Donna!
..grüßt Monika
Der Ehegatte meiner verstorbenen Freundin ist Internist. Und konnte ihr nicht helfen.
Unser Dorfarzt konnte sich selbst nicht helfen und starb einen Tag vor der Herz-OP.
Nein, Götter sind sie nicht, die in den weißen Kitteln…
Gruß von Sonia
Privat und Geschäft trennen, aber ein Ausgleich sei auch dabei.
gegen den willen eines menschen ist der wille eines anderen ein hauch. wer sich nicht helfen lassen will, dem lässt sich nicht helfen. leider.
dennoch: wunderbar erzählt!
lg, d.
Sicher findet sie sich so völlig okay. Es gibt leider Leute, die so drauf sind.
Sehr gut beobachtet /geschildert.
Ja, wenn der Wille zur Selbstzerstörung so groß ist, dann ist der Wille der Angehörigen wirklich nur ein Hauch…
Danke für eure einfühlsamen Kommentare, die allesamt zeigen, dass ihr solche Situationen kennt.
LG - Donna