Beitrag von FRANCIS zum Schreibprojekt im März 2010
20. März 2010 von Donna
ELTERN
Ein Lächeln, zart wie die ersten Sonnenstrahlen des herannahenden Frühjahrs saß tief verborgen in seinem Innern. Er müsse es nur herauslassen, haben sie ihm gesagt, es sei da, versicherte ihm der Arzt, doch er fand es nicht, zu schwer waren die Wolken, die sein Gemüt umwölkten – .
Seine Mutter sagte zu ihm „Hau ab, du Idiot! - du hast mein Leben zerstört!“
Der Vater war machtlos, hilflos, charakterlos???
Er stand vor der Klinik und wartete auf ihn, den Vater, den Vater, den er nicht achten konnte, weil er zugesehen hatte, weil er mitgemacht hatte, weil er sich an ihm versündigt hatte mit seiner Tatenlosigkeit. Nein, berührt hatte er ihn nie, körperlich – aber er hatte ihm auch keine Liebe gegeben.
Er würde ihn hassen, wenn er doch nur zu einem Gefühl fähig wäre, doch dieses Gefühl saß so tief in ihm wie dieses Lächeln, von dem sie ihm erzählt hatten – er solle sich aufmachen, es zu suchen und es BENUTZEN, dann würde er sich besser fühlen….fühlen….fühlen…???
Der Vater kam nicht, denn der Sohn war eine Stunde vor der Zeit vor die Türen der Klinik getreten. Er wollte noch etwas Zeit für sich haben, deshalb hatte er eine falsche Uhrzeit genannt, als man ihn gefragt hatte, wann der Vater käme.
Er setzte sich auf die Bank vor der Klinik, nahm ganz ruhig die Rasierklinge aus der Hosentasche und ritzte sich auf seinen Arm die Worte „Ich hasse mich“.
Der Schmerz war unerträglich, trieb ihm die Tränen in die Augen, doch er spürte ihn, genoss den Schmerz, der ihm zeigte, dass er doch noch fühlen konnte, wenn es auch nur die schmerzhaften Gefühle waren, die er zuließ. Das Schöne war für die Anderen. Die Sonne hatte keinen Platz in seinem Leben.
Sie sagten ihm, er bekäme sein Leben noch in den Griff, er könne alles erreichen, wenn er sich nur ein Ziel setzen würde.
Sein Ziel war…
Der Vater kam, zu früh, er würde seine Arme sehen, doch er hatte vorgesorgt. Schnell wickelte er sich die Mullbinde um den Arm und zog die Jacke darüber. Ein kurzer Gruß. Er stieg in den Wagen und drehte den Kopf zur Scheibe. Der Vater verstand ihn nicht. Niemand verstand ihn. Er sich selbst am wenigsten.
Er war vierzehn Jahre alt. Er litt unter dem Borderline-Syndrom. Das Lächeln saß tief in ihm verborgen. Seine Arme schmerzten. Sein vorgezeichneter Weg war der Weg in den Abgrund. Nichts und Niemand würde ihm aus diesem Sumpf heraushelfen können.
Auch das Lächeln nicht.
Berührend, aber nicht zum Lächeln. Dir ist es in der Kürze einen sehr einfühlsamen Blick in die Seelenwelt eines Borderliners zu geben. Sehr gut gemacht. Alles Liebe Karin
Dass man aus diesem Anfangssatz so eine bedrückende Geschichte machen kann! Schön kann ich in dem Sinne ja nicht sagen. Aber wirklich gut! Man kann sich richtig einfühlen.
Liebe Grüße,
Patricia
Traurig, aber leider oft wahr. Eine Geschichte, die mich nicht kalt lässt.
Schade, dass es nirgendwo einen winzigen Funken Hoffnung zu geben scheint. Man möchte ihn einfach trösten und ihm Mut machen. Das ist, was mir spontan durch den Kopf geht.
*heul* Mehr fällt mir dazu nicht ein. Einfach nur *heul*
Ach je. Gut geschrieben, sehr gut, aber traurig. Und das gibt es in Wirklichkeit.
Deine Geschichte ist sehr traurig, aber vermutlich öfters wahr als man denkt.
Sehr gut geschrieben, ich habe mitgefühlt
Liebe Grüsse
Brigitte
Ach Francis, das ist eine Geschichte, die unter die Haut geht. 14 Jahre alt und schon so kaputt, so geschunden die Seele.
Sehr gut geschrieben, obwohl das anfängliche Lächeln gefriert.
Liebe Grüße ins wochenende hinein - Donna
Das sind Abgründe, die sich da auftun. Eines der traurigen Schicksale, wie es sie eben auch gibt. Leider.
Gruss, Brigitte
Hallo, eine jetzt 30jährige Freundin hatte in ihrer Jugend das Borderline-Syndrom - es muss ganz, ganz schrecklich für die Betreffenden sein. Ich habe in deiner Geschichte auch den winzigen Hoffnungsstrahl gesucht, der orgendwo aufschimmert - eine Person, die ihn mag, versteht, in den Arm nimmt. Er braucht so unendlich viel Liebe.
Clara
für betroffene eine heftige und schmerzhafte sache dieses Borderline-Syndrom!
beim lesen stockte mir der atem, so nahm mich die geschichte mit.
danke für diese erschütternte geschichte.
lieben gruß
spini
Eine traurige Geschichte, die das Herz zusammenschnürt. Vor allem, als ich das mit den 14 Jahren las.
Gruß Jorge D.R.
Wirklich sehr ergreifend diese Geschichte
ein Junge in einer für sein Umfeld verschlossenen Welt….Diesen Menschen zu helfen ist sehr schwer und Sprüche wie nimm dich zusammen oder alles wird gut, helfen hier nicht, da es sich ja um eine ernsthafte Krankheit/Störung handelt
Eine Geschichte die zum nachdenken einlädt
Danke fürs lesen dürfen
alles liebe
Sterntalerchen
Danke Francis!
Sehr einfühlsam geschrieben, es läuft mir kalt den Rücken runter.
‘Der Schmerz war unerträglich, trieb ihm die Tränen in die Augen, doch er spürte ihn, genoss den Schmerz, der ihm zeigte, dass er doch noch fühlen konnte, wenn es auch nur die schmerzhaften Gefühle waren, die er zuließ. Das Schöne war für die Anderen. Die Sonne hatte keinen Platz in seinem Leben.’
…wie sehr ich es nachempfinden kann. Es tut weh, zu lesen, was ich einst sehr lange selbst fühlte. LG seelenbalsam
Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für Eure Rückmeldungen!
Ich habe mich wirklich darüber gefreut, dass Euch meine traurige Erzählung gefallen hat.
Leider ist dieser Junge keine fiktionale Figur…vielleicht ein Appell für uns alle, und insbesondere für mich selbst, noch genauer hinzuschauen, wenn ein Mensch nicht so “funktioniert” wie wir es gerne hätten.
Liebe Grüße,
Francis