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Momentaufnahme: Literaturunterricht

7. April 2010 von Donna

Nachdem ich in den Ferien ganz viel spaßfreie Pflichtlektüre hinter mich gebracht habe, denke ich mal wieder über modernen Literaturunterricht nach. Meine Güte, wie soll ich den Schülern mit Begeisterung etwas vermitteln, wenn ich mich selbst zu Tode langweile.

Schüler lesen in ihrer Freizeit immer weniger, dafür schreiben sie sie wieder mehr - wenn man diese Sprechschreibe beim Simsen und Chatten überhaupt dazu rechnen kann.

Schüler lesen in der Schule gezwungenermaßen seit Jahrzehnten verstaubte Klassiker, die mit der Lebenswelt der jungen Menschen rein gar nichts zu tun haben. Da gibt es Vorgaben vom Kultusministerium. Roman. Novelle. Kurzgeschichten. Literaturepochen. Textanalyse. Erzählsystem…

Literatur der Gegenwart muss ich reinschmuggeln - und dann wird es auch gleich viel interessanter.

Geschrieben in Momentaufnahmen | 12 Kommentare

12 Reaktionen zu “Momentaufnahme: Literaturunterricht”

  1. am 07 Apr 2010 um 06:581Quer

    Oh ja, deine Vorbehalte kann ich so gut verstehen, Donna. Theorie und Praxis klaffen oft so weit auseinander…
    Aber ich denke, wenn jemand neben der Literatur-Pflicht eine unverbrauchte, frische und doch kunstvolle Kür aufs Schulparkett legen kann, bist du das.

    Und Schmuggeln ist doch sicher eine kribbelnde Sache…

    Glück auf für dich und deine Rabauken.

    Gruss, Brigitte

  2. am 07 Apr 2010 um 07:082Follygirl

    Hab ja eigentlich nichts mit Kindern oder jungen Leuten zu tun…bekomme es aber doch mit, die lesen eigentlich keine Bücher mehr. Das finde ich wirklich sehr schade… die Welt ist doch einfach ärmer ohne…
    Wünsch Dir einen schönen Tag, liebe Grüße, petra

  3. am 07 Apr 2010 um 07:223Wildgans

    und was schmuggelst du und wie findest du schmuggelwürdiges?
    gruß von sonia

  4. am 07 Apr 2010 um 15:324Chinomso

    Donna geht unter die Schmuggler. Das ist spannend. Ich wünsche dir viel Erfolg. Und sie mögen dir erst drauf kommen, wenn sie in die gute Falle getappt sind.

  5. am 07 Apr 2010 um 17:535Rachel

    Liebe Donna,

    als Bibliothekarin weiß ich um dein Dilemma. Ich schüttle machmal den Kopf, wenn ich solch *Verstaubtes* lesen muss oder ausleihen…
    Aber gut, du schmuggelst, das ist echt Spitze!!!

    Ich nutze dann diese Buchvorstellungstage, die hier gemacht werden. Da gebe ich den Kids auch Gegenwartsliteratur, sehe dann, weil ich in der Jury sitze, die Begeisterung der anderen Kinder, wenn Solches vorgelesen wird…und sie lesen gleich viel
    anders, mit SChwung und Lust…

    herzlichst, Rachel

  6. am 07 Apr 2010 um 18:216Anita

    Warum ändert sich eigentlich nichts an der langweiligen Pflichtlektüre in den Schulen? Ist dem Kultusministerium entgangen, das wir im 21. Jahrhundert angekommen sind?
    Gut das es solche Schmuggler wie Dich gibt, sonst hätte ich Angst um die schönen neuen Bücher, die es gibt und sicher noch geben wird.

    Liebe Grüsse
    Anita

  7. am 07 Apr 2010 um 22:587Wildgans

    unsere deutschlehrerin in der oberstufe hat vielen die freude am lesen verdorben. sie konnte nichts dafür, aber auch sie hätte modernes einschmuggeln können- unser englischlehrer tat es auch- fänger im roggen usw….

  8. am 08 Apr 2010 um 06:438Donna

    @all

    Nun, ihr scheint das aus eigenen Erfahrungen zu kennen. Fakt ist, dass die Vorgaben die Schüler eher von der Literatur wegführen.

    Einfließen lasse ich das, was ich selbst lese. Beispiel: Zu dem Briefroman ‘Die Leiden des jungen Werther’ gab es Auszüge aus dem E-Mail-Roman ‘Gut gegen Nordwind’.
    Referendare kennen sich gut aus in der Pop-Literatur - das ist nicht so meins, den Schülern gefällt es aber.
    Was wir noch machen: Poetry-Slam besuchen, Autorenlesungen, Autoren der Region zum Projekttag einladen (die kommen sehr gerne).
    Zum “Tag des Buches” liest jeder Lehrer zu Beginn einer Doppelstunde der Klasse 10 Minuten etwas vor (Konferenzbeschluss!).
    Einsatz von Hörbüchern im Kunstunterricht.
    Zum ‘Sommerseminar’ (die letzten Tage vor der Zeugnisvergabe) bieten wir ganz gezielt ‘Kreatives Schreiben’ an.
    Und dann gibt es noch den Ausschuss für Leseförderung an der Schule.
    Echtes ehrliches Bemühen also.

  9. am 08 Apr 2010 um 07:209Nervensäge

    Man Donna, endlichmal jemand, der das versteht. Vor Kurzem wurde ich gezwungen “Kleider machen Leute” zu lesen. Langweilig vom ersten Satz an. Außerdem die dämlichsten Namen, die man sich denken kann. Und teilweise werden Worte benutzt, die ich noch nicht einmal denke. Zumindestens kam ich mit diesen Worten besser klar als meine Mischüler. Ich hab nämlich mal einen sehr interresanten historischen Roman gelesen “Adler und Falke”. Solltest du auch mal probieren. Und was dein Problem angeht: “Freche Mädchen, freche Bücher” sind sehr nah an der realität und irre lustig. Auch wenn es eigendlich nichts für Jungs ist. Aber herrlich kitschig! Und trotzdem nicht zu weit hergeholt.
    Viele Grüße,
    Jenni

  10. am 08 Apr 2010 um 13:3110Francis

    Ihr Lieben, auch auf die Gefahr hin, dass ihr mich verbal “verhaut” - aber ich finde schon, dass man sich in der Schule auch mit “unseren” Klassikern beschäftigen sollte.
    Ehrlich, Leute, Schiller ist wirklich nicht das Schlechteste - und seine Themen sind nach wie vor aktuell, schaut doch mal, wie oft jungen Mädchen heute in anderen Kulturen verboten wird, ihren Herzbuben zu lieben. Vielleicht machen wir in der Schule nur zu wenig aus diesen Themen.
    Und: Warum sollten sich Schüler nicht mit Wenzel Strapinski beschäftigen, gerade in der heutigen Zeit ist der Schein doch oftmals mehr als das Sein und genau darum geht es doch in “Kleider machen Leute”. Oder habe ich das falsch im Kopf? Hmmm

    Ne, ich lass mir meine Klassiker nicht vermiesen - obwohl ich der Meinung bin, dass man die Schüler mehr mit entscheiden lassen sollte bei der Wahl der Schullektüre, vor allem in der Unterstufe.
    Immer dann, wenn wir eben nicht gezwungen sind, gerade diese und keine andere Lektüre zu lesen.
    Ich finde Donnas Einsatz prima! Ich denke, man sollte eine gute Mischung bieten: Goethe und …wie heißt das??? …irgendwas mit “Roadkill” am Ende: Hat es jemand gelesen hier?
    Liebe Grüße aus dem Lager der Idealisten,
    Francis

  11. am 08 Apr 2010 um 18:3511Schriftrolle

    Da kann ich mich Francis nur anschließen. Die Klassiker, die wir in der Schule durchgenommen haben, habe ich - fast - ausnahmslos gern gelesen. Das lag allerdings nicht am Unterricht. Man sollte beachten, dass man Literatur aus bspw. dem 18. Jahrhundert Schülern des 21. näher bringen möchte. Und es gibt doch genügend Möglichkeiten, das auf ansprechende Weise zu tun. Und sind Klassiker nicht auch deshalb Klassiker, weil sie dem Leser in jeder Zeit etwas zu sagen haben - wenn man sie entsprechend versteht? Natürlich gehören sie zu unserer Kultur; ich finde, schon das sollte ihnen den Platz im Unterricht sichern.
    Das soll nicht heißen, dass ich mich gegen moderne, auch schülernähere Literatur aussprechen wollte, ganz im Gegenteil. Es ist löblich, zwischendurch auch Modernes hineinzuschmuggeln (und schlimm genug, dass man es schmuggeln muss …).

    Was ihr den Schülern anbietet, Donna, finde ich toll! Derartiges kenne ich aus meiner Schulzeit leider so gut wie gar nicht. Es klingt wirklich nach ernsthaftem Bemühen, auf die Bedürfnisse der Schüler einzugehen statt einfach den vorgegebenen Stoff durchzuziehen. Dafür ein ganz großes Kompliment!!
    Mir scheint, du wirst das schon schaffen, deinen Schülern einen ansprechenden Literaturunterricht anzubieten! Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

    Liebe Grüße,
    Patricia

  12. am 09 Apr 2010 um 05:5212Donna

    @Francis + Nervensäge + Patricia

    Also, kurz und knapp: Ich habe nicht gesagt, dass ich die Klassiker verbannen möchte aus dem Literaturunterricht. Aber man sollte weise wählen. Weise in dem Sinne, dass aktuelle Bezüge aus der Lebenswelt der Schüler schnell hergestellt werden können, nicht krampfhaft. Nicht immer ist es möglich, zu einem Klassiker ein Pendant aus der Gegenwartsliteratur zu finden - aber das wäre mein Ziel: klassische Literatur immer mit Gegenwartsliteratur thematisch zu verbinden.

    Ach übrigens, ich mag den guten Wenzel Strapinski auch und sein Nettchen…

    LG - Donna

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