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Herr Moppelmann - mo 16

Heinz Werner hatte sich den Freitag freigeschaufelt. Mittlerweile schaffte er es, bei guter und vorausschauender Planung spätestens um 14.00 Uhr die Kanzlei zu verlassen, um dann Richtung Bielefeld zu eilen. Marlene… Er würde sie küssen, bis der Arzt kommt… Nein, bevor der käme, würde Josh da sein. Garantiert!

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Kandidat zwei verspätete sich exakt um drei Minuten, was gleich dazu führte, dass er sich in einem Redeschwall, hinter dem sich seine Nervosität verbarg, lang und breit entschuldigte. Sibylle ließ ihn reden, hatte sie doch so die Möglichkeit, ihn in Augenschein zu nehmen. Da er gleich von der Arbeit zu dem Treffen gekommen war, trug er einen Anzug, zu dem die Krawatte (ziemlich viel rot!) und die Schuhe (viel zu sportlich!) überhaupt nicht passten. Nun gut. - Es stellte sich heraus, dass er in seinem Profil zwar angegeben hatte, dass er selbständig ist - weil das bei Frauen immer gut kommt… - er aber Versicherungsfachwirt sei. Voller Inbrunst erzählte er von seinem Gebiet und seinen Kunden, von den im Jahr abgerissenen annähernd 100.000 gefahrenen Kilometern, von Abschlüssen, Prämien ud Provisionen. Sibylle rührte in ihrem Cappuccino - ein Versicherungsvertreter! - oh Gott, gleich würde er nach ihrer Haftpficht- und Hausratversicherung fragen und ihr erklären, dass sie total unterversichert sei. Aber dazu kam es zum Glück  nicht. Ihr Gegenüber - nicht unsympathisch, gepflegt und eloquent, aber kleidungsmäßig nicht ganz stilsicher - lehnte sich zufrieden zurück und schaute sie direkt an. Wartete er etwa auf Beifall?

Sie hielt dem Blick stand und schwieg. Immerhin war bis jetzt eine gute halbe Stunde vergangen, ohne dass er überhaupt irgendetwas von ihr hätte wissen wollen. Mehr als das, was sie per Mail ausgetauscht hatten - und das waren die Eckdaten - schien ihn nicht zu interessieren. Deshalb verwirrte sie seine Frage, ob sie es sich mit ihm vorstellen könne, sehr. Er wartete ihre Antwort gar nicht ab, sondern hob erneut an, dass sie sich sehr schnell an seinen Arbeitsrhythmus gewöhnen würde, unter der Woche sei er viel unterwegs, hätte aber auch immer 1-2 Tage in seinem Home-Office zu tun, leider manchmal auch am Wochenende. Interessen? Fußball, ja, so richtig ins Stadion! Hobbys? Nee, keine Zeit!

Ok, das war ja ziemlich eindeutig. Die Welt dieses Vertreter-Fuzzis schien sehr übersichtlich zu sein. Sibylle fühlte sich als Mensch nicht wahrgenommen - und als Frau schon gar nicht!  Sie angelte in ihrer Handtasche nach dem Portemonnaie, legte einen 5-Euro-Schein auf den Tisch und stand auf.

Ehe sie etwas sagen konnte, hob Mr. Insurance an - einfühlsam und charmant wie sie ihn in der ganzen gemeinsam verbrachten Zeit kennen gelernt hatte: “Wie, du willst jetzt schon aufbrechen? Nein, so eine attraktive Frau lasse ich doch nicht so einfach gehen. Ich dachte, es sei alles klar zwischen uns!”

Mit dem bezaubernsten Lächeln und einer mittelmäßig erotischen Stimmlage sagte Sibylle nur: “Sorry, deine Vertragsbedingungen kann ich nicht akzeptieren, ich wünsche dir viel Glück bei deinen nächsten Dates!”

Herr Moppelmann - mo 15

Heinz Werner konnte seinen analytischen Verstand trotz anhaltender Verliebtheit nicht ausschalten. Seine Gedanken waren zu oft bei Marlene, einer Frau, die endlich mal auf Augenhöhe mit ihm war, die zärtlich und hingebungsvoll war, witzig, schlagfertig und mitten im Leben stand - aber leider nicht inmitten seines Lebens.

Ihr Zusammensein beschränkte sich anfänglich auf jedes zweite Wochenende - da war Josh bei seinem Vater und Marlene bei ihm in Hamburg. Herrlich!  Dann sahen sie sich jedes Wochende - er hatte Josh kennen gelernt und schmerzlich erfahren, dass Marlene als allein erziehende Mutter ein ganz besonders inniges Verhältnis zu ihrem Sohn hat. An den “Plus-Kind-Wochenenden” genoss er nicht wie gewohnt ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, sondern musste sich damit abfinden, dass ein kleines quirliges und aufgewecktes Bürschchen, das kein Turboloch kannte, den Tagesablauf maßgeblich bestimmte - und die Nächte leider teilweise auch. Er hatte sich das erste Mal sehr erschrocken, als er sich nachts im Halbschlaf an Marlene ankuscheln wollte und bemerkte, dass Josh sich zwischen sie gedrängelt hatte und nun seelenruhig zwischen ihnen schlief. Einerseits war er gerührt über das Vertrauen, das ihm da entgegengebracht wurde, andererseits war es ein himmelweiter Unterschied mit der Traumfrau allein aufzuwachen oder mit der Traumfrau + dreijährigem Sohn…

Heinz Werner musste sich zähneknirschend eingestehen, dass auch die jüngere Hälfte dieses Doppelpacks sein Herz im Sturm erobert hatte, er diese Zugabe aber zunehmend als äußerst anstrengend empfand. Da blieb zu wenig Zeit für Nähe zu Marlene, da war ein kleiner Mensch, der mit seiner atemberaubenden Präsenz so viel Raum und Zeit beanspruchte, dass er sich oft unbeachtet und zurückgesetzt fühlte…

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Sibylle hatte mittlerweile drei Dates hinter sich gebracht. Ganz schön spannend war das gewesen und leider auch ernüchternd.

Kandidat eins wartete in dem verabredeten Café bereits auf sie und winkte ihr schon von Weitem entgegen. Sibylle hätte am liebsten auf dem Absatz kehrt gemacht, erblickte sie doch einen Mann, der mindestens 10 Jahre älter war als auf den Fotos und in dieser Zeit sichtlich zu einem Opa-Typ mutiert war. Gut erzogen, wie sie war, trank sie einen Kaffee mit ihm, plauderte höflich und oberflächlich, entzog ihm ihre Hand, die er bereits nach wenigen Minuten ergriffen hatte, und hörte nur mit halbem Ohr hin, was er alles erzählte, da sie krampfhaft überlegte, wie sie sich schnell und elegant verabschieden könnte. Nach einer knappen halben Stunde nutzte sie eine kleine Redepause ihres Gegenübers, sagte, dass sie das Gefühl habe, dass es mit ihnen einfach nicht passen würde, stand abrupt auf, bezahlte die gesamte Rechnung am Tresen und verließ das Café, ohne sich überhaupt noch einmal umzudrehen.

Brötchentüten-Gedicht

Ein schöner Morgen ohne Sorgen

Schauen Sie in den Himmel hinein,

Sie schauen in Sonnenschein,

das Lachen in Ihrem Gesicht,

und alles wegen diesem Gedicht.

Einen schönen Morgen

ohne viele Sorgen

wünschen wir Ihnen,

jetzt können Sie sich bedienen

aus der Brötchentüte,

die dank des Bäckers Güte

vollgefüllt mit Brötchen ist,

damit man sie schnell aufisst.

Nun lächeln Sie schön weiter

und bleiben den ganzen Tag heiter!

(Nathalie & Marie, Kl.7)

Amtliches Wahlergebnis

Unser Wahlbeobachter vor Ort hat ganze Arbeit geleistet in den letzten Tagen - zuverlässig wie immer schreibt er auf seinem Blog Donkys Welt über Das amtliche Endergebnis der Parkwahl - sein Bericht das reinste Lesevergnügen.

Deshalb schaut einfach einmal hier.

Nachtrag: Einladung zur großen Party am Sonntag - bitte in den Kommentaren lesen!

Gleich wirst du aus Träumen sanft erwachen

vom Duft der leckeren Bäckersachen.

Und frischen Kaffee gibt es dazu -

for my swearheart - just for you!

Lass uns beginnen mit Freude diesen Tag,

lass mich dir sagen, dass ich dich mag!

Brötchentüten-Gedicht

Glücklich bis ans Lebensende -

isst du das Brot von Bäcker Mende!

Denn das packt er alles in den Teig:

Gesundheit, Glück, Zufriedenheit.

Er knetet Liebe und Erfüllung mit hinein

und im Winter Sonnenschein.

Auf zu Bäcker Mende -

der beste hier im Gelände!

Im August wird der neue Anfangssatz für das Schreibprojekt im September erscheinen. Schaut einfach mal rein, vielleicht fällt euch eine Geschichte ein…

Ich wünsche euch allen wundersonnige Sommertage und erholsame Ferien, in denen ihr ganz viel Kraft auftanken könnt und eurer Kreativität Flügel wachsen.

Herzlichst - Donna

PS. Hier bei TEXT! Donna schreibt… wird es selbstverständlich weitergehen - vielleicht nicht regelmäßig, sondern so wie die Muse mich küsst.

Bei wunderschönem Frühsommerwetter werden heute die Türen der Schreibwerkstatt ganz weit geöffnet, denn da sind wieder viele Geschichten entstanden.

Ich danke allen Autoren und Autorinnen für die Teilnahme. Und nun, es darf gelesen werden! Viel Spaß!

Der Anfangssatz lautete:

Von Leidenschaft zu sprechen, war vielleicht nicht angemessen…

Chinomso - Chinomso’s!

Donna!

Donkys Freund!

Eva - FelicityLebensSpirale!

Francis!

Jenni!

Jorge D.R. - Traumtuch! Ohne Jorge geht das doch gar nicht hier!

Maiti!

Murmeltiertag - Quergefönt!

Petra - Follygirl!

Sayuri - Sayuris-Exile!

Von Leidenschaft zu sprechen, war vielleicht nicht angemessen, eher von einem stillen Vergnügen, das sie unter Kontrolle hatte. Hatte sie das?

Rückblickend konnte sie gar nicht mehr sagen, wie alles angefangen hatte, wann sie in den Sog geraten war, der sie nicht mehr losließ, der sogar ihren Tagesablauf maßgeblich bestimmte.

Einleitung - ein bisschen übertrieben vielleicht - Leserinteresse hoffentlich  geweckt.

Nein, verharmlosen wollte sie nichts, dazu war die Angelegenheit zu ernst und zu bedrohlich für sie als Frau und für ihre Beziehung. Hatte sie doch bis zum gestrigen Tag felsenfest daran geglaubt, dass ihre Sammeleidenschaft und die aktive Beschäftigung damit von ihrem Mann wohlwollend toleriert würde. Aber gestern war er schlichtweg ausgerastet, als sie wie jeden Abend aus den fast 120 Nagellackfläschchen, die wunderschön aufgereiht im Badezimmer standen, eines auswählte, um erst den alten Lack zu entfernen und dann seelenruhig die neue Farbe aufzutragen. Sie war gerade bei der zweiten Schicht - es fehlten  nur noch der Ringfinger und der kleine Finger der rechten Hand - als er lospoltere: “Was willst du mit dieser Rummalerei kompensieren? Sag es mir!  Ewig muss das Zeugs trocknen, ich darf dich nicht anfassen, du fasst mich nicht mehr an und du schwelgst da in deinem Farbenrausch…!” Wuuummmm. Sie sagte nicht einen Ton dazu, sondern pinselte geflissentlich weiter. Der Abend war gelaufen - er füllte sich mehr und mehr mit Schweigen.

Als sie am nächsten Tag von der Arbeit kam, waren alle Fläschchen weg. Sie bemühte sich nicht, danach zu suchen, denn sie wusste die konsequente Handlungweise ihres Mannes zu deuten.

Hauptteil mit Darstellung des Konflikts - Nagellack als Beziehungskiller.

Wehmütig dachte sie an all ihre zusammengetragenen Schätze, die sie vollkommen unvorbereitet verloren hatte - sie dachte an “Mystic Mocha”, “Wall Street”, “Velvet Shine”, “Thai Orchid”, “Satin Rouge”… - aber ein Lächeln huschte über ihr Gesicht - nun ja, eine neue Sammlung zu beginnen, weniger öffentlich auf jeden Fall und viel partnerschaftsfreundlicher war eine große Herausforderung und würde ihr viel Freude bereiten.

Schluss - Lösung des Konfliktes - die Protagonistin hat zwar einen schweren Verlust erlitten, weiß aber mit diesem Schicksalsschlag gut umzugehen.




Von Leidenschaft zu sprechen, war vielleicht nicht angemessen. Sie hatte sich an ihn gewöhnt in all diesen Jahren, mehr nicht. Nicht mehr?

Kein leises Kribbeln mehr in der Magengegend, wenn sie ihn anschaute, ihn berührte, ihn ab und zu zärtlich liebkosend …nein, es war noch nicht vorbei mit ihnen, aber das Ende schien in Sicht.

Er hatte in letzter Zeit auch verdammt Federn gelassen - lassen müssen, war oftmals überanstrengt, keuchte ab und an, sodass sie ihm nichts Großes mehr zumuten wollte. Deshalb schonte sie ihn, verlangte ihm keine Leistung mehr ab und schielte ab und an neidisch auf seine Kollegen…wow!!!

Aber nein, nein, nein. Sie durfte ihn nicht verraten, er war ihr all die Jahre hindurch treu geblieben und das war doch das einzige, was im Leben wirklich zählte, oder???

Na, so ein kleines Abenteuer vielleicht. Wieder blickte sie sehnsuchtsvoll zu den Kraftprotzen auf der anderen Seite der Straße. Da standen sie, sahen sie herausfordernd an, einige blickten fast schon hämisch drein. Sollte sie sich wirklich auf dieses Abenteuer einlassen? In ihrem Magen kribbelte es jetzt schon ein wenig - Spannung machte sich breit bei dem Gedanken, was sie eventuell erwarten durfte.

Sie konnte die Entscheidung heute und jetzt nicht treffen, der Verrat schien allzu groß zu sein.

Sie würde sich mit ihrer besten Freundin beratschlagen, ihr Rat war bisher immer verlässlich und gut gewesen. Glücklicherweise war diese zu Hause und natürlich auch gesprächsbereit - so ein kleiner Plausch war ja auch abwechslungsreich.

Sie klingelte an ihrer Tür und berichtete von ihren Sorgen - soll ich? Soll ich nicht?

„Was spricht schon dagegen?”, fragte Tina, die ihre roten Haare in einem dicken Zopf zusammengebunden hatte und irgendwie ziemlich verrucht aussah. “So ein kleines Abenteuer wird dir Günther nicht Übel nehmen!” „Aber was ist, wenn er danach gar nicht mehr kann?”, fragte sie kläglich. „Er hat ja jetzt schon Atemnot bei jeder Überanstrengung!” „Du solltest Anton wirklich testen. Er hat so was Animalisches. Bestimmt ein ganz interessanter Typ!” Tina gab sich alle Mühe, die Zweifel und Bedenken ihrer Freundin zu zerstreuen.

„Ach, ich weiß nicht. Es könnte Günther verletzten und das wäre das Schlimmste, was ich ihm antun könnte, wo er doch so lieb gucken kann - und er ist immer so bemüht und eigentlich muckt er ganz selten rum…nur dann, wenn ich es wirklich zu doll treibe mit ihm.”

„Paperlapapp. Probier es aus. Tu es einfach! Günther wird dich verstehen! Schließlich hat er ein gutes Herz - wie ein Löwe sozusagen!”

Sie drückte ihr nachdrücklich die Autoschlüssel des neues Mercedes, den sie sich kaufen wollte und der zur Probefahrt angemeldet war, in die Hand.

Sie blickte auf die Straße und sah Günther dort unten stehen. Etwas klein, schäbig, traurig schien er dreinzublicken. Etwas matt sah er schon aus, auch wenn sie sehr bemüht war, sein Äußeres zu pflegen, er war eben doch schon etwas betagt.

Nein, sie brachte es einfach nicht übers Herz, den kleinen Golf gegen den großen Mercedes einzutauschen. Das hatte Günther nicht verdient! Gleich morgen würde sie die Schlüssel wieder zu dem Autohaus bringen - die Entscheidung war gefallen. Von dem Geld würde sie Günther eine Motorüberholung und eine Lackierung gönnen.

Sollten die Kraftprotze doch bleiben, wo sie waren.

Beschwingt ging sie die Treppe hinunter und startete den Motor - irgendwie hatte sie das Gefühl, dass der Kleine zufriedener blubberte als sonst. Nun fehlte ihr nur noch der passende Mann, der ihren Irrsinn mitmachte…einem Auto einen Namen zu geben…bedenklich!!!

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